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T. Seidel

Mein (noch nicht ganz) digitaler Klassenraum

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Die großen Anbieter von interaktiven Whiteboards steigen auch mit einigen zusätzlichen Geräten in die Digitalisierung des Klassenraumes ein – “Klassenraum des 21. Jahrhunderts” oder ähnlich. Da können dann die Schülerinnen und Schüler per wlan und netbook oder “classmate” an der elektronischen Tafel mitschreiben, elektronische Abstimmungen machen, sich vernetzen und, und, und…

Im Einzelfall haben mich viele dieser Zusatzgeräte noch nicht überzeugt, ihr methodisch-didaktischer Sinn erschließt sich mir noch nicht. Und die meisten technischen Neuerungen werden von Leuten gefeiert, die nicht aus der “Unterrichtsrichtung” kommen (müssen ja aber auch nicht immer alle gleich Lehrer sein ;-). Und wer das alles administrieren und sich technisch kümmern soll ist sowieso immer die große Frage.

Mit “unserem” Smartboard in meiner Klasse hat sich aber doch schon einiges verändert…Obwohl ich schon seit vielen Jahren mit Computern im Unterricht arbeite, gibt es immer wieder neue Impulse. – Hier eine kurze Zwischenbilanz, wie Computer und Internet in meiner Klasse Nutzen bringen und genutzt werden….

Mit jedem Schülerdurchgang (ich unterrichte eine Grundschulklasse meist drei Jahre lang als Klasse 4, 5, 6 als Klassenlehrer) erweitert sich der IT-Bereich. Wo stehen wir jetzt?

Smartboard – Die durchgreifendste Änderung im Klassenraum und im Unterricht: Multimediamöglichkeiten, Filme im Unterricht, Schüleraktivierung und –motivation, mehr Spaß an der Unterrichts-vorbereitung, Medienkompetenz durch selbstständiges Nutzen der Technik durch die Schüler in geöffneten Unterrichtssituationen sind hier nur einige Stichworte.

Klassen-Computer – Der steht schon lange rechts hinten im Klassenraum… Nun wird er wieder intensiver genutzt: Differenzierende Aufgaben, leistungsschwächere Schüler schreiben, stärkere recherchieren etwas im Internet….

Laptops – Von Zeit zu Zeit setze ich ich Laptops aus unserem Laptop-Pool ein – vier oder fünf Geräte. Die Kinder arbeiten eine Zeitlang daran und wechseln dann – da wir kein WLan haben mit Verkabelung. Also wechseln nicht die Laptops den Platz, sondern die Kinder. Sie setzen sich an die Laptops (die stehen auf den normalen Schülertischen). Das Laptop als normales Schreibwerkzeug, aber auch als Vorbereitungswerkzeug um selbst Tafelbilder für das Smartboard zu erstellen.

Drucken – Wir haben aus verschiedenen Gründen nur einen zentralen Netzwerkdrucker für alle Klassen im Computerraum (der gleich gegenüber meines Klassenraumes liegt). Da ich meinen Unterricht öffne und im Unterricht differenzierte Angebote mache, besteht immer wieder der Bedarf nach einzelnen Arbeitsblättern, nach Arbeitsblättern aus den letzten Stunden usw.. Teilweise wird nun schon “on demand” gedruckt. Für die Differenzierung wird noch im Unterricht ein Zusatzblatt ausgedruckt (von dem ich vor dem Unterricht gar nicht dachte, das es gebraucht würde), ein rechtschreibschwacher Schüler schreibt seinen PC-Text und bekommt ihn gleich ausgedruckt. Die Frage nach einem Drucker nur für die Klasse stellt sich….

Computerraum – Einmal in der Woche haben wir eine Stunde im Computerraum. Ich nutze ihn als Freiarbeitsstunde – allerdings verteile ich auch Pflichtaufgaben. Lernsoftware, Rechtschreib-programme haben genauso ihren Platz wie das Kennenlernen der Smartboardsoftware durch spielerischen Zugang, Texte abschreiben, Bilder suchen und schöne Seiten mit Word gestalten usw.. (Keine Spiele!)

USB-Stick – Mein USB-Stick ist nun unverzichtbar. Bisher hatte ich immer einzelne ausgewählte Dateien für den Unterricht darauf. Nun werde ich wohl den Unterrichts-Ordner am heimischen PC mit dem Stick synchronisieren um immer alles dabei zu haben (Arbeitsblätter, Tafelbilder für das Smartboard auch von letzter Woche usw.).

Lernplattform – Im Schwerpunktunterricht “Methodenlernen” der fünften Klassen (ein Kurs-Unterricht) nehmen die Schülerinnen und Schüler alle an ThinkQuest teil, einer geschlossenen Online-Kommunikationsplattform. Dort kann man auch Arbeitsblätter und Materialien zum Download bereitstellen. Das werde ich wohl gegen Ende der vierten Klassen in meiner Klasse schon einführen.

Urheberrecht – Ein Dauerthema. Arbeitsblätter oder Seiten aus Arbeitsheften darf man meist nicht ins Schulnetzwerk kopieren oder auf die Lernplattform. Bilder in meinem Tafelbild darf ich eventuell zwar selbst benutzen, nicht aber über smartexchange weitergeben….Positiv: ich fange wieder an selbst mehr zu zeichnen und eigene Illustrationen zu erstellen. (Bin ja Kunstlehrer…) Mit den Kindern zusammen erschließen wir uns Möglichkeiten “freie” Bilder zu finden (http://www.mmgkinderseite.de/bildersuchen).

Lehrerrolle – “Hilf mir, es selbst zu tun” (Montessori). Ein Wegweiser für meine Arbeit mit Computer und Internet an der Grundschule. Selbst mit dem Smartboard die Kinder nicht nur zu “bezaubern”, sondern ihnen dabei helfen, es selbst zu nutzen (Ein bisschen “zaubern” gehört aber an der Grundschule natürlich doch dazu…). Seit ich das Smartboard habe, gehe ich nun in den meisten Stunden kurz vor Stundenanfang gleich an den PC am Board… An Tagen mit Blockstunden und freierer Arbeit gehört es dazu, dass ich auch am PC dort sitze und für die Schüler etwas ausdrucke, oder Schüler arbeiten dort oder am Board… Ich versuche sie damit immer (mehr) Anteil haben zu lassen an meiner (vorbereitenden, verwaltenden…) Tätigkeit am Computer.

Herkömmliche Unterrichtstätigkeit – Nimmt immer noch einen überwiegenden Teil für die Schüler ein… Schreiben und Malen mit Stiften, Schönschreibheft, Wörterbuch, Lesetheke im Klassenraum, Vorlesen, Unterrichtsgespräche, der Füller kleckert, der Bleistift bricht ab, der Zirkel funktioniert ohne das kleine Rädchen nicht mehr…

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