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T. Seidel

Das interaktive Whiteboard im Unterricht

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Angeregt durch Beiträge zum Thema “Interaktive Whiteboards an Schulen” in den letzten Wochen (Herbst 2010; Vitzthum und Wiegelmann in der Welt am Sonntag, Martenstein in der „Zeit“) möchte ich hier aus meiner Sicht zu aufgestellten Thesen einige Anmerkungen beitragen. Da ich nicht weiß, um welche interaktiven Whiteboards welcher Hersteller es in den Beiträgen geht, formuliere ich herstellerunabhängig. Ich zitiere hier nicht exakt, sondern nehme Gedanken der Autoren auf.

Das Tafelbild am interaktiven Whiteboard wird elektronisch als Datei gespeichert. Dateien kann man nun auch per mail verschicken oder für den Download z.B. auf der Lernplattform der Schule zum Download zur Verfügung stellen. Daraus wird manchmal….

“Schüler müssen nicht mehr mitschreiben, sondern können den Unterricht zu Hause runterladen.”

Wer sagt denn, dass sie es nicht mehr müssen? Das hat doch weniger mit der elektronischen Tafel (ein – fast – deutscher Begriff für „interactive whiteboard), als mit dem Unterricht der Lehrkraft zu tun.

In der Grundschule ist es unbenommen immer noch wichtig handschriftlich mit Stift und Papier zu arbeiten. Und was wird in diesem Zusammenhang mit „Unterricht“ bezeichnet? Besteht der Unterricht nur aus einem Tafelbild? Meiner Erfahrung und Beobachtung nach gibt es da noch Unterrichtsgespräche, Beiträge der Lehrkraft, Vorträge und Äußerungen der Schülerinnen und Schüler UND ein Tafelbild als Teil des Unterrichts.

Hier scheint mir ein grundlegender Gedanke ganz wichtig: Wie die elektronische Tafel eingesetzt wird, wie mit den Multimediafähigkeiten umgangen wird liegt in der Hand der Lehrkraft (und bei schülerzentriertem Unterricht mit viel Schülerbeteiligung auch zumindest zeitweise in der Hand der Schüler/-innen). Von den Anbietern wird hier so „schön“ formuliert, dass der Klassenraum „interaktiv“ werde, dass das Whiteboard interaktiv sei. Das bezieht sich aber doch genau genommen nur auf die Beziehung Computer-Mensch an einem konkreten Beispiel: „wechselseitig“ und „aufeinander bezogen“ wären hier noch Begriffe dafür. Und was das im Unterricht nun genau heißt muss durch die Lehrkraft erst definiert werden (in Grundschule und Sekundarstufe sicherlich auch teilweise unterschiedlich).

Also: „Lehrkraft macht Tafelbild, Schüler/-innen laden runter – und fertig“ ist es nicht. Vielmehr gilt es hier die verschiedenen Elemente einer Unterrichtssituation aufeinander abzustimmen (was Lehrkräfte schon immer gemacht haben) und dabei die Möglichkeiten der interaktiven digitalen Tafel mit einzubeziehen. Dabei kann dann am Ende auch stehen, dass ein von der Lehrkraft vorbereitetes, im Unterricht durch Schülerbeteiligung ergänztes und erarbeitetes Tafelbild zum Download auf der schulischen Lernplattform zur Verfügung gestellt wird. Tafelbilder abschreiben und abzeichnen lassen sollte da auch vorkommen (in der Grundschule noch öfter), denn jede Lehrkraft weiß, dass sich die Schüler/-innen die Inhalte ganz anders aneignen (können), wenn sie selbst die Struktur des Tafelbildes nachvollziehen, die Begriffe abschreiben und die im Tafelbild dargestellten Beziehungen (z.B. ein Organigramm) beim Übertragen erkennen.

Übrigens… irgendwie eine ganz alte Diskussion. Jeder (!) Medieneinsatz (auch nicht-elektronischer) im Unterricht (Buch, Arbeitsheft, OH-Projektor…) wird und muss kritisch betrachtet werden. Jeder Medieneinsatz wird durch die Lehrkraft gesteuert und kann sich positiv oder negativ auf Lernergebnisse auswirken.